AGROSLUŽBY OLOMOUC, s.r.o.AGROSLUŽBY OLOMOUC, s.r.o.

 Wirtschaftliche Bedeutung von Mastitiden

                 Der gegenwärtige weltweite Trend der Erhöhung der Lebensmittelqualität betrifft auch die Milch sowie die Milchprodukte. Die direkte Abhängigkeit zwischen den Qualitätskennzahlen, dem Einkaufspreis und den Möglichkeiten des Milchvertriebs erfordert, allen Faktoren, die die Qualitätskennzahlen der rohen Kuhmilch beeinflussen können, angemessene Aufmerksamkeit zu widmen. Eine der häufigsten Ursachen der verschlechterten Milchqualität sowie der direkten und indirekten Verluste der  Züchter stellen Mastitiden dar. Deshalb wird der Untersuchung, Diagnostik, Vorbeugung und Heilung der Mastitiden in allen züchterisch entwickelten Staaten ständige Aufmerksamkeit gewidmet.

                Mastitiden werden durch mehrere Faktoren verursacht. Zu den maßgebenden zählen der infektionserregende Faktor (Pathogen), die Außenumgebung und der Organismus der Milchkuh. Das Auftreten  von Mastitiden bzw. deren Verlauf und Zeichen  werden in konkreter Umgebung vor allem durch Hygiene, Behandlung, Ernährung und Fütterung, Melken, Laktationsperiode, Beständigkeit des Organismus einer Milchkuh usw. beeinflußt. Die eigentliche Mastitiserkrankung ist durch morphologische Änderungen an den betroffenen Stellen des Euters und durch sinnliche, physikale, chemische und mikrobielle Änderungen der Milch charakterisiert.

                Eine der zuverlässigen und verhältnismäßig leicht feststellbaren Kennzahlen der Rohmilchqualität bzw.  des gesunheitlichen Zustands der Milchdrüse stellt die Anzahl der somatischen Zellen dar. Nach den betreffenden Vorschriften und Normen zählt der Inhalt an somatischen Zellen gemeinsam mit der Gesamtanzahl an Mikroorganismen zu den Hauptkennzahlen der Milchqualität. Aus den Hauptkennzahlen, die durch Zentrallabors bei  Milchabnahmen bestimmt werden (Tab. 1), ergibt sich, daß der durchschnittliche Inhalt an somatischen Zellen in den letzten drei Jahren verhältnismaßig stabil ist und den Anforderungen der betreffenden Vorschriften auf die  Qualitätsmilch gerecht wird. In Hinsicht auf beträchtliche Variabilität dieser Kennzahl ist es jedoch offensichtlich, daß in manchen Zuchtbeständen weitere Reserven in der Erhöhung der Qualität der Rohmilch bestehen und daß diese Problematik die ständige Aufmerksamkeit erfordert.

 

Tabelle 1 Durchschnittliche Qualitätskennzahlen der rohen Kuhmilch 

 

Qualitätskennzahl

Abkürzung

Einheit

1997

1998

1999

Gesamtanzahl an Mikroorganismen

CPM

in 1 ml

79 120

66 030

65 000

Anzahl an somatischen Zellen

PSB

in 1 ml

236 760

238 380

248 000

Hemmstoffresiduen

RIL

% 1)

0,48

0,46

0,43

Milchgefrierpunkt

BM

°C

-0,521

-0,523

-0,523

Eiweißstoffgehalt

B

%

3,26

3,36

3,34

Fettgehalt

T

g/100 ml

4,27

4,26

4,24

Gehalt an der fettfreien Trockensubstanz

TPS

%

8,82

8,82

8,79

 

                Die infolge von Auftreten der Mastitiden entstehenden wirtschaftlichen Verluste  sind beträchtlich. Die Jahresverluste werden in den USA z.B. mit 4 Milliarden Dollar, in Österreich mit einer Milliarde ATS, in der  Schweiz mit 70 Millionen schweizerischen Franken u.ä. geschätzt.

                Es ist relativ schwierig, die durch Mastitiden verursachten wirtschaftlichen Verluste abzuschätzen, und zwar in Hinblick auf die  verschiedene „Intensität“ von Mastitiden (das subklinische und klinische Auftreten), verschiedene Vorbeugungs- und Therapieverfahren, Auswirkung auf eine ganze Reihe der Kennzahlen u.ä. Aus der ganzen Reihe wissenschaftlicher Arbeiten und Forschungsüberwachungen ergibt sich, daß durch Mastitiden hervorgerufene wirtschaftliche Verluste vor allem durch folgende Faktoren verursacht werden:

 

-                      Herabsetzung der Milchproduktion

-                      höhere Ausscheidung von Kühen bzw. höhere Kosten zur Umbildung einer Milchkuhherde

-                      Senkung des Einkaufspreises von Milch infolge von der Qualitätsminderung,

-                      Aufwendungen für die Heilmittel und die tierärztliche Behandlung,

-                      höheren Arbeitsaufwand

 

Aus den genannten Hauptursachen von Verlusten ist es deutlich, daß es eine uneingeschränkte Anzahl ihrer verschiedenen Kombinationen gibt und daß der gesamte wirtschaftliche Verlust durch das Auftreten und die „Intensität“ von Mastitiden in der konkreten Zucht beeinflußt  wird.

 

Einfachheits- und übersichtlichkeitshalber bei der Abschätzung der durch Mastitiden verursachten wirtschaftlichen Verluste wird in der Modellberechnung nur der Inhalt von 1 000 000 somatischen Zellen in 1 ml Milch in Erwägung gezogen, wobei der Anteil an Kühen mit dem genannten Inhalt an somatischen Zellen die Höhe von 5 – 25 % der Anzahl der ganzen Kuhherde darstellt Die Modellberechnung geht von folgenden Kennziffern aus:

-                      die Größe der Herde beträgt 100 Kühe, in die Molkerei werden 5000 kg Milch  pro Kuh und Jahr geliefert,

-                      Senkung der Milchproduktion um 10 % bei Milchkühen mit einer Anzahl von 1000000 somatischen Zellen in 1 ml Milch,

-                      Milcheinkaufspreis beträgt  8,00 CZK,

-                      Ausscheidung der Milchanlieferung an die Molkerei beträgt 5 Tage nach der Anwendung von Heilmitteln

-                      Heilungskosten (Tierarzt, Arzneien, Erhöhung des Arbeitszeitverbrauchs u.a.) 200 CZK je Kuh

-                      Senkung des Produktionsalters bei Kühen um 10 % infolge von Mastitis-Auftreten, was eine Kostenerhöhung für die Umbildung der Herde um ca. 370 CZK pro Kuh jährlich darstellt,

-                      eine Herabsetzung des Einkaufspreises von Milch in dem ganzen Stall wird nicht in Erwägung gezogen.

 

Die Tabelle 2 zeigt einen Richtvergleich der ausgewählten wirtschaftlichen Kennzahlen der Zucht einer Milchkuh ohne und mit Mastitis (1 Million somatische Zellen in 1 ml Milch)  einmal im Jahr. Es ist ersichtlich, daß eine Milchkuh mit Mastitis in einer 100-köpfigen Kuhherde  den wirtschaftlichen Verlust in Höhe von ca. 5 225 CZK im Jahr verursachen kann. Daran beteiligen sich mit ca. 77 % Senkung des Milchvertriebs, 12 % Ausscheidung der Milch aus der Lieferung, 7 % Kostenerhöhung für die Umbildung der Herde und 4% Heilungs- und Heilmittelkosten.

 

Tabelle 2 Abschätzung des Einflusses von Mastitis auf wirtschaftliche Kennzahlen (CZK pro Kuh und Jahr)

Kennzahl

Gesunde Milchkuh

Milchkuh

mit Mastitis

Differenz

(Verlust)

Milchverkäufe (10 %, 500 kg)

40 000

36 000

4 000

Ausscheidung der Milch aus der Lieferung (5 Tage)

-

655

655

Heilungskosten

-

200

200

Kosten für die Umbildung der Herde

3 300

3 700

370

Summe

-

x

5 225

                   

In der Tabelle 3 wird die Modellberechnung des wirtschaftlichen Verlustes in einer 100-köpfigen Kuhherde mit dem Anteil von an Mastitis erkrankten Kühen von 5 bis 25 % angeführt. Davon ist es ersichtlich, daß wenn nur Mindestverluste angenommen werden, kann der relativ mäßige Verlauf von Mastitis beträchtliche wirtschaftliche Verluste zur Folge haben. Hätte die geminderte, durch Mastitis verursachte, Milchqualität eine Herabsetzung des Einkaufspreises der Milch für den ganzen Stall zur Folge, wären die wirtschaftlichen Verluste wesentlich höher. Z.B. Eingliederung einer Monatslieferung (ca. 41 650 kg Milch) in eine niedrigere Qualitätsklasse mit einem um 0,30 kg je kg Milch niedrigeren Preis stellt eine Senkung von Erlösen (Gewinn) um 12 500 kg dar, was den Erlösen für 1 560 kg Milch entspricht.

 

Tab. 3 Abschätzung des durch Mastitis in einer Herde von 100 Kühen verursachten wirtschaftlichen Verlusts

Kennzahl

Anteil von  mastitiden-Kühen (%)

 

5

10

15

20

25

Verlust für ganze Kuhherde (CZK)

26 125

52 250

78 375

104 500

130 625

Verlust an Milcherlösen*(%)

0,7

1,3

2,0

2,6

3,3

Verlust pro Kuh und Jahr (CZK)

261

525

783

1050

1300

Verlust je 1 kg Milch (CZK)

0,05

0,10

0,16

0,21

0,26

* Erlöse 4 000 000 CZK für den ganzen Stall im Jahr

 

                Die angeführte einfache Richtsberechnung bestätigt, daß Mastitiden ernsthaftes wirtschaftliches Problem für die Milcherzeuger darstellen können und daß Mastitiden vorzubeugen besser ist, als auf eventuelle wirtschaftliche Rückgriffe und Folgen bei Kühen zu warten. Im Rahmen der Ergiebigkeitskontrolle und der Bestimmung der Qualitätskennzahlen der Milch zu Zwecken ihrer Bezahlung wird regelmäßig auch die Anzahl der somatischen Zellen in Milch festgestellt. Durch die Verwertung dieser Ergebnisse bei der Vorbeugung vor dieser Erkrankung können das Vorkommen von Mastitiden und damit auch eventuelle wirtschaftliche Verluste vermindert werden. Wäre es möglich zusammen mit den Ergebnissen der Bestimmung des Gehalts an somatischen Zellen bzw. von  weiteren Kennzahlen auch eine gewisse Anleitung zu ihrer effektiven Verwendung zu erhalten, könnte man eine wesentliche Verbesserung der Situation vor allem in den problematischen Herden erwarten. Die regelmäßige Kontrolle dieser empfindlichen Situation ist aber unerläßlich und wirtschatlich effektiv auch in den Herden ohne größere "mastitiden" Probleme.

                In allen Fällen kann man die mit der Kontrolle und Vorbeugung von Mastitiden verbundenen Kosten in Höhe des niedrigsten in der Tabelle 3 angeführten wirtschaftlichen Verlusts als wirtschaftlich effektiv betrachten.. Es sind ca. 26 Tsd. CZK je 100 Kühe und Jahr, bzw. 260 CZK je Kuh und Jahr. Weil die Analysen der im Rahmen der Ergiebigkeitskontrolle durchgeführten Milchproben und Bestimmung der Qualitätskennzahlen der Milch zu Zahlungszwecken nicht gesondert bezahlt werden müssen, ist es wahrscheinlich, daß die mit der Beratung und Bereitsstellung von weiteren Angaben verbundenen Kosten niedriger sind, als das genannte wirtschaftliche Minimum.

                Mit einer beträchtlichen "Reserve" ist es zu konstatieren, daß die Kosten für Kontrolle und Vorbeugung von Mastitiden, die  200 CZK pro Kuh und Jahr nicht überschreiten, als eine wirtschaftlich effektive Maßnahme betrachtet werden können.

 

Prag, am 26. April 2000

 

Jindøich Kvapilík

 

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